RE- (Hommage an BBB Johannes Deimling von Andres Galeano)
Grim Museum, D-Berlin 2009, Duration



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Description
of the action In the space are the traces
of a happened performance. The musician Zeno Gabaglio played his
elaborated sound of it. Then the writer Stanislaw Mirrowenkowitsch read
out a text, that describes all the actions. After, the performance
artist Theodor di Ricco gave an art historical perspective about my
performance and that of the performance from Johannes Deimling.
Afterward, the performative theory professor Frederic Schröder opened
philosophical questions about the whole performance RE-. Concept In this work the documentation of a performance becomes the performance. I remade the performance "What's in my head (part1)" (2009) by BBB Johannes Deimling, that I saw live at K-Salon (Berlin). I re-perform it from my memory for four special guests - a writer, a musician, a performance artist and a performative theory professor - two days before my performance’s date and I leave the action’s traces in the space. These guests perform my remake performance for the audience. Text: Andres Galeano
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Hallo,
my name is Theodor di Ricco. I am a performance artist. My artist name
is Gogo Sunshine. What is my name? In
den sechziger Jahren gab es Happenings, Sit-Ins, Gruppen-Demonstrationen,
wo Leute zusammen gekommen sind, um der Gesellschaft kollektive
Statements oder eine Kollektivmeinung zu vermitteln. In
den Siebziger Jahren kam die Kunstrichtung Fluxus auf. Ein Objekt oder
eine Aktion wurde manipuliert um eine andere Ansicht zu vermitteln.
Fluxus entwickelt sich aus dem Konzept, dass jeder ein Künstler ist
innerhalb der Infrastruktur der Gesellschaft; vom Gärtner, dem Schmied,
der Zahnärztin bis zum Politiker. Es ist interessant festzustellen,
dass das Wort Performance-Kunst verwendet wird um diese neue und
umstrittene Kunstform zu kennzeichnen. Gleichzeitig ist Sound Art (Ton-Kunst)
entstanden und die Musiker haben auch das Wort Performance-Kunst auch
benutzt. In
den Achtzigern, haben Künstlerinnen und Künstler ihre Netzwerke
fortgesetzt, sowohl lokal als auch international. Performance-Kunst hat
Elemente von Tanz, Theater, Video und Musik übernommen. Neue
Performancekunst-Gattungen sind entwickelt worden. Eine Visualisierung
des Körpers innerhalb Zeit und Raum ist Body Art; dazu gehört das
Element Ausdauer, wo der Künstler seine Grenzen zu seinem Körper
erforscht und das Element Survival (Überleben), beidem der Körper des
Künstlers deformiert wird. Alle diese sind relevante Mitteilungen
innerhalb der Performance-Kunst und treffen den Zeitgeist dieses
Jahrzehnts. In
den Neunzigern ist die prozessorientierte Performance-Kunst entstanden,
Der Künstler initiiert einen Prozess, egal wie abstrakt, um eine
Erfahrung zu vermitteln. Auch die 'Ultimate Mass Demonstrations' sind
entstanden, wo Leute sich an einem Ort trafen um einem bestimmten
Zeitpunkt eine gemeinsame Manifestation zu veranstalten. Deshalb
war die Aktion des Zusammenkommens allein das Statement an sich. Theater,
Tanz und Musik haben wiederum Elemente von Performance Kunst übernommen
und Live Art ist geboren. In
den Null Jahren oder den letzten zehn Jahren beherrschen die jungen
Performance-KünstlerInnen, unterrichtet von denjenigen, die in der
Performance-Kunst aktiv sind, die Technik von Video, Ton und Internet
und arbeiten selbstverständlich mit anderen bei ihren Inszenierungen. Während
der letzten fünfzig Jahre haben Künstler und Künstlerinnen im
Vergleich mit der Entwicklung der Informationstechnologie ihre
internationalen Netzwerke verstärkt. Es kann sein, dass Performance
Kunst eine der ersten Kunstrichtungen, die überall auf der Welt
gleichzeitig entstanden ist. Heute sind diese Netzwerke so eng, dass die
Realität und die Virtualität beginnen sich zu überlappen. Dieses Verhältnis
zwischen Realität und Virtualität werden in der
Performance-Kunst oft thematisiert. Und das geschieht auch in der
Performance-Kunst von Andrés Galeano. Andrés
hat mich eingeladen an seiner Performance-Kunst teilzunehmen. Ich soll
den kunsthistorischen Hintergrund seiner Performance-Kunst darstellen. Die
Performance von Andrés Galeano
ist eine Nachahmung einer Performance, die im K-Salon, Berlin,
von BBB Johannes Deimling vor 9
Monaten gezeigt wurde. Was wir heute Abend sehen, ist die Entwicklung in
mehreren Stufen eines Moments. Und so überspringen wir die Realität
hin zum Virtuellen. Der
zweite Stufe oder ‚RE’ von Andrés Galeano
ist die Nachahmung der Performance von BBB Johannes Deimling "What's
in my head (part1)" und die dritte Stufe besteht aus den
Erzählungen von vier Männern über die Performance 'RE' von Andrés
Galeano,
die dem Publikum präsentiert wird. Die vierte Stufe seid ihr, das
Publikum. Ihr
erzählt weiter was hier geschehen ist. Eine endlose Schleife entwickelt
sich und man fragt sich, wo es angefangen hat. Was war die ursprüngliche
Realität und was die folgende Virtualität? Was hier passiert ist die
Anerkennung des Virtuellen als wertvolle Kunstform innerhalb der
Performance-Kunst. Was
ihr in diesem Raum seht, sind die Überreste einer Performance, die vier
Männer vor zwei Tagen gesehen haben. Es handelt sich um mehrere
klassische Fluxus-Aktionen, konzentriert in einen Zeitraum von ca. 30
Minuten, wobei eine typische Fluxus-Performance eine Geschichte
kaum linear erzählt. Mit dieser Performance hat BBB Johannes Deimling
verschiedene Fluxus-Aktionen zusammengefasst und daraus eine Geschichte
geschaffen. Die
Beispiele von Fluxus-Performancekunst-Elementen in dieser Performance
sind die Fußabdrucke, die mit Pigment markiert sind, rechteckige
Pappkartons auf die Wand geklebt, dieses Mal in Form eines Baumes,
und gelbe Post-It-Aufkleber als Blätter. Dann kommen mehrere Nägel
egal ob der stehende Pappkartonbaum sie erforderte. Ein Brötchen hängt
am Nagel, so zusagen am Ast. Daraufhin
hat der Künstler sich selbst eine Ohrfeige gegeben, auf den Boden
gelegt, sein Hemd geöffnet und mit einer Hand auf den Brustkorb
über dem Herzen geschlagen. Er erhob sich und zündete drei rote Kerzen
der Form der Buchstaben Y, O und U an. Später,
beschäftigt sich der Künstler mit einer klassischen
Performancekunst-Aktion: Der Brotmann. Er band einen Laib Brot mit Schnüren
an sein Gesicht, strich weiße Handcreme auf das Brotgesicht und steckte
mehrere Gabeln in das Brot. Brotgesicht
absetzen, ein Apfel wird genommen, mehrere Gabeln werden hineingestochen,
sodass der Apfel wenn er auf den Boden gestellt ist, allein steht. Barfuß
schießt er den Apfel weg, und dieser bricht an der Wand auseinander. Buchstaben
in Form von Nudeln, aus dem Mund gespuckt, als ob der Künstler uns
damit etwas sagen wollte. Und das letzte Fluxus-Element: Spannung am
Ende der Performance. Ein Feuerwerkskörper in einen zweiten Apfel
gesteckt und angezündet. Wird er explodieren? Ich war schon bei einer
Performance, wo ich danach kurzfristig taub war wegen eines
explodierenden Knallfrosches. Nein, der Feuerwerkskörper gibt nur eine
kurze Flamme.und hängt den Apfel in den Baum. Diese
Nachahmung zeigt mir dass BBB (Die Abkürzung bezieht sich auf den
Dadaisten Kurt Schwitters) Johannes Deimling ist ein geschickter
Performance-Künstler. Jedes Element wurde sehr wirkungsvoll
benutzt, die Metaphern waren klar und nicht klischeehaft. Er ist ein
Performance-Künstler, der mit dem Visuellen arbeitet. Es gab bei ihm
viele schöne Bilder und ebenso in der Nachahmung von Andrés.
Beide Performances waren visuell sehr beeindruckend. Andrés Galeano
kennt sein Metier und sein Material. Seine Performance ist rundum
gelungen. Wir erlebten heute eine Verfremdung von einem Performancekunst-Moment in verschiedene Stufen. Das Virtuelle wird als Thema in der Performance-Kunst in dem folgenden Jahrzehnt öfter benutzt. Und das Internet wird das Medium, in dem dieses Thema verarbeitet wird. Und weil das Ephemere ein Hauptcharakteristikum von Performance Kunst ist, ist die kreative Nutzung des Virtuellen und ihre Vermarktung die Zukunft der Performance Kunst. Text:
Theodor
di Ricco |
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Der
Brotmensch Im
Anfang war das Wort und Alles ist durch das Wort geworden. Was aber tun,
wenn das Wort zerbrochen ist? Der Mensch, den es betrifft: Das bist du.
Das bin ich. Ein Brotmensch. Ein Leib. Im
Anfang war ein leerer Raum. Saubere weiße Wände, abgezogene Dielen.
Was wird passieren? Ein Konsortium von Alltagsgegenständen säuberlich
aneinander gereiht an der Wand auf dem Boden. Was liegen sie da? Hat
hier jemand ein Ziel, eine Absicht formuliert? Darüber ist sicherlich
Zeit vergangen. Den Raum gibt es nicht. Dann
kommt einer rein. Er hinterlässt spuren; mit jedem nackten Fuß, den er
setzt. Er wandelt die Erde. Ein Baum wächst, daran eine Frucht. Es
riecht nach Paprika. Es ist aber keine Paprika. Schon bestellt er einen
Garten. Rote Blumen wachsen, die sprechen. Ein Wort sprießt: Du. Er
prügelt sich. Schlägt auf sich ein. Etwas stimmt auch mit seiner Stirn
nicht. Eine Form beschäftigt ihn. Kalt und scharf bis in die Nacht. Aber
da ist kein Schlaf im Kerzenschein. Sein Herz schlägt laut. Es führt
seine Hand zur Brust. Immer wieder. Sie schlägt darauf. Sie gehört zu
ihm und er zu ihr. Was auch immer er tut; wenn er sein Hemd in die Hose
steckt und dabei zu den Sternen guckt. Wenn er aufsteht und die Gabeln
nimmt. Dahin legt. Er nimmt auch das Brot. Legt es daneben. Er nimmt die
Creme. Legt sie daneben. Er nimmt die Kordel. Legt sie daneben. Den
Apfel. Daneben. Aber
er will nicht essen. Er will zerstören. Er will den Apfel treten. Er
hasst den Apfel. So scharf und kalt wie die Form. So unförmig wie sie
ist als Apfel. Er
wird vorbereitet. Auf Gabeln gespießt und hingestellt. Nicht mehr dahin
gelegt. Nein Hingestellt. Angeordnet. Positioniert. Determiniert. Vielleicht
weil es so ist, kann es nicht anders sein. Weil man nicht eigentlich
erklären kann, wie es passiert ist. Weil man niemals weiß, wie es
passieren wird. Weil man sich eigentlich ständig die Blöße gibt. Der
Apfel explodiert an einem nackten Fuß. Das Wort zerbricht. Seine Soße
klatscht an die Wand. Spritzt dich an. Die Antinomie im innern der Zeit,
ihr Entstehen aus dem Nichts, ihr Zurückfallen in die Unendlichkeit und
ihre Allmacht dazwischen -
grinst gehässig. Dabei ist die Bewegung noch längst nicht
abgeschlossen. Ein Märchen ist das nicht. Aber alle Geschichten erzählen
dennoch eine Geschichte. Und eine Geschichte erzählt alle. Er
geht also am Saume des Weges weiter nach innen. Seine Freiheit ist
wahnsinnig Abstrakt. Wenn keiner Lacht, löst er das Rätsel noch, da
setzt schon ein neuer Anfang ein. Er zerreist sich die Brust. Pult sein
Gedärm heraus. Und bindet sich die Fäulnis vors Gesicht. Das ist unerhört.
Ein
Brotmensch! Ein Brotmensch zeigt uns Gesicht. Alsbald,
da stecken ihm die Gabeln in der Maske und die Creme tropft ihm von der
Fratze. Ja ist er den von Sinnen? Ein Brotmensch betreibt Spott und
Hochverrat. Er will aus der Zeit treten und in alle Gesichter blicken.
Er will alle Gesichter in dem Seinen spiegeln. Er spielt mit der Zeit. Schon
setzt sich der Staub seiner Füße auf die Maske. Der Staub, der er ist.
Schon zerfällt die Maske, zerfällt die Fäulnis vor einem jungen
Gesicht, das aber - wie kann es anders sein - kein zusammenhängendes
Wort hier spricht, sondern Buchstaben spuckt. Es regnet Reis. Es hagelt
Nudeln aus der Künstlerfresse. Dann
verabschiedet sich der Brotmensch mit großer Geste. Mit einem Feuerwerk,
das durch ein Brötchen brennt. Mit einem rauchenden Kopf, der an einer
Wand an einem Nagel steckt. Mit einer Frucht, die an einem Baume reift,
dessen Geäst sich weit in der Zeit verwächst. Im
Anfang war das Chaos und ist wie ein Apfel in einem Raum explodiert. Was
ist hier passiert? Wer hat diesen Raum verdreckt? 28
Handlungen, die man mitschreiben kann. Text: Stanislaw Mirrowenkowitsch |
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